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Arbeitsgemeinschaft
für Fledermausschutz ( AGF )
Hintergrund:
Hessen hat in der
Erforschung unserer heimischen Fledermausfauna eine lange
Tradition. So hat z.B. zu Lebzeiten Goethes der
Naturforscher H. Kuhl für nicht weniger als 5 der 19 heute
in Hessen vorkommenden Arten die wissenschaftliche
Erstbeschreibung und Namensgebung geliefert (1818/19). Zur
damaligen Zeit waren viele Fledermausarten gemeine, das
heißt häufig vorkommende, Tiere, und die untersuchten Tiere
wurden nicht selten mit der Flinte vom Abendhimmel
geschossen. Seit dieser Zeit haben sich nur wenige
Naturforscher und Biologen im hessischen Raum mit unserer
einzigen aktiv flugfähigen Säugetierart beschäftigt. Erst der
erschreckend massive Bestandeseinbruch der allermeisten
Fledermausarten in Folge des Wirtschaftswunders nach dem 2.
Weltkrieg, verbunden mit massiven Änderungen in der
Landbewirtschaftung und einem ungezügelten Einsatz von
Schädlingsbekämpfungsmitteln ( z.B. DDT), hat das Interesse
an den kleinen Nachtjägern wieder verstärkt. So wurde seit
den frühen 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts die
Forschung an unserer heimischen Fledermausfauna erfreulich
verstärkt, begünstigt nicht zuletzt durch die rasante
Entwicklung der Technik, welche z.B. mit leistungsfähigen
und finanziell erschwinglichen Detektoren die Erfassung der
Fledermausfauna erheblich vereinfacht hat. Die lange Zeit als
Einzelkämpfer in verschiedenen Naturschutzverbänden aktiven
Fledermausschützer in Hessen haben sich schließlich 1985 in
der „ Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz in Hessen „ (AGFH)
unter dem Dach der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie
und Naturschutz e.V. (HGON) zusammengeschlossen. Seit ca. 2
Jahren ist die AGFH offiziell beim Naturschutzbund Hessen
e.V. (NABU) angesiedelt, und im Frühjahr diesen Jahres wurde
an der Landesgeschäftsstelle in Wetzlar mit personeller
Unterstützung des Landes Hessen ein Fledermaustelefon
eingerichtet ( Link!)Regional sind die Fledermausschützer
allerdings recht ungleichmäßig vertreten. Einen sehr guten
Erfassungsgrad der Fledermausvorkommen zeigt z.B. das
Lahn-Dill-Bergland mit seiner langen Bergbautradition,
welche für die Fledermäuse äußerst zahlreiche
Winterquartiere in Form vielfältiger Gruben und Stollen
geschaffen hat. Im Gegensatz hierzu ist der Vogelsberg im `fledermauskundlichen
Sinne` ein `Niemandsland `. So stellt sich der
Vogelsbergkreis in dem 1994 erschienenen Buch „ Die
Fledermäuse Hessens „ (ISBN 3-927981-35-4) auf den
Verbreitungskarten der meisten hessischen Fledermausarten
lediglich als weißer Fleck dar. Auch wenn seither der eine
oder andere Nachweis für den Vogelsbergkreis erfolgt ist und
sicherlich vereinzelt von Naturschutzvereinen und
Einzelpersonen Fledermausschutz betrieben wurde und wird,
fehlte doch bisher eine zentrale Stelle für den
Fledermausschutz im Vogelsbergkreis.
Aufbruch:
Um diese Lücke zu
schließen, wurde im Frühjahr 2006 auf der Ebene des
NABU-Kreisverbandes Vogelsberg die „ Arbeitsgemeinschaft für
Fledermausschutz „ ( AGF) gegründet. Den Vorsitz und
gleichzeitig die Funktion als Nabu - Kreisbeauftragter für
Fledermausschutz hat Thomas Steinke aus Storndorf
übernommen. Zu den Beweggründen für sein Engagement sagt
er:“ Als Förster schon berufsbedingt naturinteressiert, war
das Schlüsselerlebnis für das besondere Interesse an den
Fledermäusen eine forstinterne Fortbildung in Gießen 1995,
durchgeführt vom Arbeitskreis Wildbiologie an der
Universität Gießen. Die sehr gelungene Veranstaltung mit
vielen praktischen Elementen und die ansteckende
Begeisterung der Referenten, besonders von Markus Dietz, hat
mich sofort infiziert. Seit dieser Zeit beschäftige ich mich
intensiv mit den Fledermäusen.“
Die Ziele der AGF sind:
Ø Zentrale Anlaufstelle
für die Öffentlichkeit in allen Fragen zu Fledermäusen
Ø Sympathiewerbung für
Fledermäuse durch Öffentlichkeitsarbeit in Form von
Vorträgen, Exkursionen, Presseartikeln etc., mit Schwerpunkt
Kinder- und Jugendarbeit ( Ferienspiele, Zusammenarbeit mit
AZN )
Ø Erfassung, Dokumentation
und Schutz von Fledermausquartieren jeglicher Art,
insbesondere von Wochenstuben- und Winterquartieren
Ø Erfassung und
Dokumentation der im Vogelsbergkreis heimischen
Fledermausarten durch Detektorbegehungen mit dem Fernziel,
Aussagen auch über Bestandsentwicklungen machen zu können.
Aktuell:
Im Bereich der
Öffentlichkeitsarbeit wurde der Beginn der AGF-Arbeit
hervorragend unterstützt durch den Start der Aktion
`Fledermausfreundliches Haus `.Mit dieser NABU-Aktion zum
Fledermausschutz an Gebäuden in Hessen, unterstützt durch
die Stiftung Hessischer Naturschutz und das Land Hessen ,
sollen im Verlauf von 3 Jahren 500 Gebäude in Hessen
ausgezeichnet werden, die Fledermäusen Quartier bieten,
oder mit Hilfe von Umbauten gezielt für die Besiedlung mit
Fledermäusen optimiert wurden. Die erste Auszeichnung für den
Vogelsbergkreis erhielt am 05. Juli 2006 das Jugendwaldheim Petershainer Hof in der Gemarkung Ulrichstein - Kölzenhain
(Link!). Bedingt durch die rege Öffentlichkeitsarbeit sind
seither schon etliche Meldungen zu Fledermausquartieren
eingegangen. Durch Kontrollen bestätigte Quartiermeldungen
liegen vor für folgende Arten:
Zwergfledermaus (Pipistrellus
pipistrellus)
|
PLZ |
Gemeinde |
Ortsteil |
Anzahl |
Auszeichnung |
|
36358 |
Herbstein |
Stockhausen |
1 |
1 |
|
35315 |
Homberg
Ohm |
Erbenhausen |
1 |
1 |
|
|
|
Nieder-Ofleiden |
1 |
1 |
|
36110 |
Schlitz |
Hutzdorf |
1 |
1 |
|
36318 |
Schwalmtal |
Hergersdorf |
3 |
1 |
|
|
|
Rainrod |
1 |
|
|
|
|
Renzendorf |
1 |
1 |
|
|
|
Storndorf |
4 |
1 |
|
|
|
Unter-Sorg |
1 |
1 |
|
|
|
Vadenrod |
3 |
|
|
35327 |
Ulrichstein |
Bobenhausen 2 |
1 |
1 |
|
|
|
Helpershain |
1 |
1 |
|
|
|
Kölzenhain |
1 |
1 |
Breitflügelfledermaus
(Eptesicus serotinus )
|
36326 |
Antrifttal |
Ruhlkirchen |
1 |
|
|
35315 |
Homberg
Ohm |
Erbenhausen |
1 |
1 |
|
35329 |
Gemünden Felda |
Nieder-Gemünden |
1 |
1 |
Mausohr
(Myotis myotis)
|
36358 |
Herbstein |
Stockhausen |
1 |
1 |
Durch Fundtiere oder
Netzfänge belegte Vorkommen sind bisher bekannt für:
Braunes Langohr (Plecotus
auritus)
|
35315 |
Homberg
Ohm |
Schadenbach |
1 |
|
|
36323 |
Grebenau |
Schwarz |
1 |
|
Bechsteinfledermaus
(Myotis bechsteinii)
Durch kombinierte
Detektor / Sichtbeobachtung belegte Vorkommen weiterer Arten
gibt es für:
Wasserfledermaus
(Myotis daubentonii), Fransenfledermaus (Myotis nattereri),
Abendsegler ( Nyctalus noctula ).
Ausblick:
Die
Arbeit mit Fledermäusen im Vogelsbergkreis steckt noch in
den Kinderschuhen und es ist noch viel Aufbauarbeit zu
leisten, bis sich eine funktionsfähige AGF zusammengefunden
hat. Interessenten an einer Mitarbeit, (auch erst mal zum
Schnuppern ), sind jederzeit herzlich willkommen. Des
Weiteren werden Meldungen zu Fledermäusen jeglicher Art
(Fundtiere, Quartiere, potentielle Winterquartiere etc.)
erbeten an den Arbeitsgruppenleiter.
Aktuelle und interessante Links
Homepage Bundesverband:
http://nabu.de/m05/m05_02
Homepage Landesverband:
http://hessen.nabu.de/m03/m03_10
Fledermausschutz:
http://fledermausschutz.de
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